Gemeinde Waldhof-Luzenberg in Mannheim

Evangelische
Gemeinde Waldhof-Luzenberg
in Mannheim

Geschichte

Die eigentliche Geschichte unseres Stadtteils und seiner Bevölkerung begann mit der Gründung der Spiegelfabrik 1853. Der Konzern St. Gobain erkannte den Wert des Rheinsandes und die verkehrsgünstige Lage dieses Geländes am Rhein. Die aus Frankreich mitgebrachten Arbeiter erhielten mit ihren Familien Wohnungen in der Spiegelkolonie, die ganz im Stile ihrer Heimat gebaut waren. Die Kapelle "Maria Hilf" wurde für die durchweg römisch-katholischen Franzosen eingerichtet. Mit der Zeit wurden auch deutsche Mitarbeiter angeworben, die aus der näheren Umgebung kamen und überwiegend evangelischen Bekenntnisses waren. Sie erhielten im Spiegelwäldchen die "alte" Pauluskirche als Gotteshaus.

Mit der Zeit erkannten auch andere Unternehmen die günstige Lage des Gebiets Luzenberg-Waldhof, das dazu noch äußerst günstig zu erwerben war. So entstanden nach und nach die Zellstoff (heute SCA Hygiene Papiere), Boehringer (heute Roche Diagnostics GmbH), Draiswerke (Konkurs 2003, inzwischen Wohnbebauung), Bopp & Reuther, Süddeutsche Draht und Daimler Benz (heute Daimler) mit den dazugehörigen Werkswohnungen. Die Bevölkerung wuchs. Im Umfeld entstanden Kleinbetriebe, Geschäfte und Wirtshäuser.

Im Jahre 1905 kauften beide Kirchen Gelände jenseits der Bahn am Speckweg und errichteten in den kommenden Jahren ihre Kirchen: Die katholische Sankt Franziskuskirche wurde an Himmelfahrt und die evangelische Pauluskirche am Erntedanktag 1907 geweiht und in Dienst genommen. Die Paulusgemeinde hatte ihre Kirche und erhielt ihre Selbstständigkeit als Kirchengemeinde Waldhof, davor gehörte sie zu Käfertal. Das Baumaterial stammte aus dem Abbruch der alten Lutherkirche in der Neckarstadt. Auch die Orgel wurde von dort übernommen. Bis 1931 war die Gemeinde so gewachsen, dass sie geteilt werden musste in Nord- und Südpfarrei.

In der Nacht vom 18. zum 19. November 1943 wurde die Pauluskirche von Brandbomben getroffen und brannte vollständig aus. Gleich nach dem Krieg wurde in den Kirchenraum eine ehemalige Arbeitsdienstbaracke als Notkirche aufgestellt. 1949 wurde die Notpfarrei ausgegliedert und bezog die als Notkirche aus Holz und Sandstein errichtete Gnadenkirche. Heute ist die Tochtergemeinde größer als die Muttergemeinde. Bis zum Abschluss der Wiederaufbauarbeiten 1953 war die Paulusgemeinde zu den großen Festen Gast in der katholischen St. Franziskuskirche. In einem Festgottesdienst am Erntedank 1953 wurde die Pauluskirche wieder in Dienst genommen. Äußerlich gab es einen wesentlichen, weithin sichtbaren Unterschied: aus Spargründen wurde auf die neugotische Turmspitze verzichtet. Der Turm wurde mit einem einfachen Satteldach versehen.

Neben der Pauluskirche stehen der Gemeinde weitere Räumlichkeiten zur Verfügung. Am Reformationstag 1955 wurde der Gemeindesaal in der Stolberger Straße auf dem Luzenberg mit zweigruppigem Kindergarten und Nebenräumen eingeweiht. Anfang der sechziger Jahre erfolgte der Bau des dreigruppigen Kindergartens im Speckweg und des Paulussaals, ebenfalls mit diversen Nebenräumen. Den Paulussaal hat die Gemeinde inzwischen wieder aufgegeben, das Pfarrhaus Paulus wird vom ev. Kinder- und Jugenwerk genutzt. Der Pauluskindergarten hat 2014 einen Neubau erhalten, im gleichen Jahr wurde auch die vollständige Sanierung des Gebäudes in der Stolberger Straße abgeschlossen.

In den 60er Jahren beginnt auch die Geschichte der Gethsemanegemeinde. Denn mit der Bebauung von Waldhof-Ost entstand ein Neubaugebiet, das vor allem für die kinderreichen Familien konzipiert war und die Errichtung einer neuen Pfarrei erforderlich machte. Deshalb hatte der evangelische Oberkirchenrat in Karlsruhe auf Antrag des Gesamtkirchengemeinderates Mannheim beschlossen, mit Wirkung von 1. Februar 1964 im Neubaugebiet Waldhof-Ost eine Pfarrstelle zu errichten. In einer Sitzung, die am 14. Februar 1964 stattfand, wurde die Begrenzung wie folgt festgelegt:

Von der Oberen Riedstraße bis zur Waldstraße und von der Offenbacher Straße bis zur Hessischen Straße. Mit der Planfertigung wurde der Mannheimer Architekt Professor Dr. Striffler beauftragt.

Am 12. Mai 1964 tagte dann zum 1. Mal der neue Ältestenkreis der jungen Gemeinde. In der Behelfskirche, einer Holzbaracke, fanden 50 Gottesdienstbesucher/innen Platz. Bald reichte diese Kapazität nicht mehr aus und die Notkirche wurde auf 100 Plätze erweitert. Am 4. Advent 1966 konnte schließlich das Gemeindezentrum mit Kindergarten und Pfarrhaus eingeweiht werden. Die ebenfalls noch geplante Kirche fiel allerdings aus finanziellen Gründen dem Rotstift zum Opfer. In den folgenden Jahren sind beide Gemeinden mit je einer eigenen Pfarrei ihre Wege gegangen.

Seit September 2000 hatten beide Gemeinden nur noch einen Pfarrer, der beide Pfarrstellen verwaltet. 2005 erfolgte die Fusion zur Paulus-Gethsemane-Gemeinde, 2013 dann die Umbenennung in Waldhof-Luzenberg-Gemeinde.